Bazar andalus

Kategorie: Liedtexte (Seite 1 von 2)

Nostalgia (Gedicht Hafes)

An meine Geliebte (Hafes, geb. 1326; gest. 1390 in Schiras)

Du siehst mich

und meine Schmerzen mit Dir nehmen beständig zu.

Ich sehe Dich

und mein Interesse an Dir nimmt beständig zu.

Du fragst mich nicht nach meinem Zustand.

Ich weiß nicht, was in deinem Kopf vorgeht.

Du kümmerst dich nicht um meinen Zustand

und Du weißt nicht, was für Schmerzen ich ertrage.

Das ist nicht der richtige Weg,

dass du mich hier auf der Erde bleiben lässt und mich verlässt.

Komm zurück

und lass mich die Erde unter deinen Füßen werden.

Yar Mara (Rumi)

deutsche Übersetzung des persischen Liedes:

Mein Freund, mein wahrer Freund
Du bist meine Höhle, beschütze mich!
mein Freund, mein wahrer Freund
Noah bist du, meine Seele bist Du,
Täter und Opfer bist Du.
Du bist wie eine Brust für meine Geheimnisse.
mein Freund, mein wahrer Freund

Ein Tropfen bist du, das Meer bist du,
du bist Liebe, Zorn bist du.
Zucker bist du und bitteres Gift bist du
Verletze mich nicht mehr!
Mein Freund, mein wahrer Freund


Maulana Rumi

Der persische Sufipoet und Mystiker Maulana Rumi (1207-1273) wird als einer der größten Dichter der Weltgeschichte angesehen. Kaum ein Dichter versteht es so wie Rumi, die ewige Liebesgeschichte zwischen Göttlichem und Menschlichen in Worte zu fassen. Obwohl in der islamischen Kultur verwurzelt, steht er als Weltenverbinder über allen Religionen und bringt seine interkulturelle Botschaft der umfassenden Liebe auch in die heutige Welt. Er zeigt auf, dass es mit dem Sufismus eine aufgeklärte und undogmatische Tradition gibt, die sowohl westliche Suchende wie oppositionelle Menschen in der arabisch-islamischen Welt miteinander verbinden kann.
Mehr dazu bei unserem Partnerprojekt unter: www.rumiprojekt.de


Unsere Interpretation:

Prinzessin Wallada (1001-1091) & Ibn Zaydun (1003-1071)

Wallada:

Masallah, ich bin des höchsten Ranges wert
Masallah, ich bin frei in dieser Sklavenwelt
ich gehe meinen Weg und liebe wie ich leb
Wer mich liebt, dem biete ich meinen Mund
dem schenke ich meinen Kuss, der mich begehrt
– dem schenke ich meinen Kuss, der mich begehrt

Ich bin frei geboren, um frei zu leben
wer mich begehrt, der soll mich auch ehren
ich gehe meinen Weg und liebe wie ich lebe
Wer mich liebt, dem biete ich meinen Mund
dem schenke ich meinen Kuss, der mich begehrt
– dem schenke ich meinen Kuss,der mich begehrt
Ibn Zaydun:

Sei hochmütig: ich werde es ertragen.
Sei stolz: ich werde es erdulden.
Überhebe dich: ich werde mich fügen.
Wende dich ab: ich werde mich zuwenden.
Sprich: ich werde zuhören.
Befiehl: ich werde gehorchen


Prinzessin Wallada & Ibn Zaydun

Prinzessin Wallada (994-1091) war eine mächtige und emanzipierte Frau in al -Andalus, die neben anderen Frauen und Männern auch eine Liebesaffaire mit dem berühmten Dichter Ibn Zaydun ( 1003-1071) einging. Es war eine dramatische Beziehung, in der jeder noch weitere Geliebte hatte und die mit ihren intimen Höhen und Tiefen poetisch in der Öffentlichkeit ausgetragen wurde.

Tanto amare – Soviel Liebe! (Yosef ibn Caprel)

Tanto amare, tanto amare
Habibi, tanto amare

Enfermeron, ohyos nidios
Ya du-olen, tan male
Soviel lieben, soviel lieben.
Liebster, soviel lieben!

Krank werden meine blanken Augen,
sie schmerzen schon so sehr!


Yosef ibn Caprel

Yosef ibn Caprel ist ein hebräischer Dichter, der um 1000 bis 1060 herum gelebt hat. Er soll ein Vorsänger in der Synagoge in Granada gewesen sein. Er wurde unsterblich, weil dieses Liebesgedicht von ihm das älteste überhaupt erhaltene Dokument in Altspanisch ist.

Man gholame (Text: Rumi, Musik: Esmail Saedi)

Ich bin ein Geliebter des Mondes.
So sprich zu mir von nichts anderem als vom Mond.
Sprich zu mir von nichts anderem als von seinem Schein und seiner Süße.

Spreche nicht von Leid, sondern nur von Gaben.
Und wenn du von diesen nichts weißt, so sage nichts.

Letzte Nacht wurde ich wahnsinnig.
Die Liebe kam zu mir und sagte: Ich bin hier!
Schreie nicht! Wüte nicht! Sage nichts.

Ich sprach: Oh Liebe, dort ist etwas, das ich fürchte!
– Dort ist nichts! Sage nichts.

Ich sprach: Ist dieses Gesicht das Gesicht eines Engels oder eines Menschen?
– Es ist weder das Gesicht eines Engels noch das Gesicht eines Menschen.
Es ist das Gesicht von etwas anderem… doch sage nichts.


Maulana Rumi

Der persische Sufipoet und Mystiker Maulana Rumi (1207-1273) wird als einer der größten Dichter der Weltgeschichte angesehen. Kaum ein Dichter versteht es so wie Rumi, die ewige Liebesgeschichte zwischen Göttlichem und Menschlichen in Worte zu fassen. Obwohl in der islamischen Kultur verwurzelt, steht er als Weltenverbinder über allen Religionen und bringt seine interkulturelle Botschaft der umfassenden Liebe auch in die heutige Welt. Er zeigt auf, dass es mit dem Sufismus eine aufgeklärte und undogmatische Tradition gibt, die sowohl westliche Suchende wie oppositionelle Menschen in der arabisch-islamischen Welt miteinander verbinden kann.
Mehr dazu bei unserem Partnerprojekt unter: www.rumiprojekt.de

Sein schöner Mund (Ibn Khafadja)

Ich sitze am Fuße eines Baumes
in reicher Laube.
Der Nordwind neckt den Baum,
der neckt ihn spielend wieder.
Denn er ist trunken vom Gesang der Taube
und schlürft die Wolke aus.
– Sie beugt sich nieder

Der Stern des reinen Weines
steigt empor am Morgenhimmel.
Der junge Tag bereitet sich Vergnügen,
und lässt die morgenroten Fahnen fliegen.

Der Garten zeigt ein leuchtendes Gesicht:
die Schatten bilden seine schwarzen Haare,
sein schöner Mund ist dort, wo das klare Wasser
lächelnd sich in die Gräser flicht.
– Wie schön ist dieser Fluss!

Ich nahe seinen hellen Gewässern noch lieber
als den Lippen schöner Frauen.
Und bis zum Abend klingt das Lied der Taube
und alle Zweige tanzen her und hin.
Ich freue mich über sie,
und über mich freut sich die Laube.
– Weil ich in meinem Garten glücklich bin!


Ibn Khafadja

Ibn Khafadja (1058-1139) wird auch „der Gärtner“ genannt und ist einer der berühmtesten Poeten von al-Andalus. Sein besonderes Stilelement ist eine Vermischung von Natur und Eros gepaart mit der Nostalgie verlorener Paradiese. Landschaften werden bei ihm zu Seelenlandschaften, wobei die Natur oft als Frauengestalt erscheint oder mit femininen Attributen versehen wird.

Reise nach al-Andalus (Ibn Khafadja)

Dieses Land ist eine Jungfrau.
Ihre Gewänder sind mit Blumen bunt bestickt.
Der Himmel liebt sie heiß, wie ein Verschwender,
– der sie mit seinen Gaben reich beglückt.
Blitze sind der Schlag von seinem Herzen
und seine Tränen spenden warmen Regen ihr.
Sie aber lächelt dir aus tausend Blütenkelchen verliebt zu.

Dieses Land ist eine Jungfrau.
Ihre Gewänder sind mit Blumen bunt bestickt.
Das Paradies liegt in Al Andalus.
Die Tage sind wie ein Lächeln
– und die Nächte,
sie runden sich wie Lippen dir zum Kuss.
Ein jeder Duft ist eine Liebesflechte,
wie sehne ich mich nach Al Andalus.


Ibn Khafadja

Ibn Khafadja (1058-1139) wird auch „der Gärtner“ genannt und ist einer der berühmtesten Poeten von al-Andalus. Sein besonderes Stilelement ist eine Vermischung von Natur und Eros gepaart mit der Nostalgie verlorener Paradiese. Landschaften werden bei ihm zu Seelenlandschaften, wobei die Natur oft als Frauengestalt erscheint oder mit femininen Attributen versehen wird.

Moschusduft (Ibn Quzman)

Dem Kelch will ich die Lippen küssen – den Moschusduft
In dieser Zeit wird jeder übermütig – der Frühlingsduft
Ich pflücke Rosen, schlürfe an deinem Mund – wie liebestoll
Die Nachtigall schwätzt wirr in ihrem Baum – so sehnsuchtsvoll

Lasst mich – mit meinem Kelch, bis ich – geheilt bin
Wer sagt:- „Trink und berausche Dich!“ – ist mein Freund
Doch wer sagt: „Reiß Dich zusammen“ – ist ein Schuft.
Der Mullah hängt – an meinem Bart und ruft – „Bereu!“
Doch ich bin bereit – den Weg der Wollust – zu gehen
Dem Kelch will ich die Lippen küssen – den Moschusduft

Würde doch – die Liebe und der Wein – ewig fließen!
Bist du da – strömen Sterne in mein Glas – mein Glas ist voll
Allah hilf – das die Geliebte – sich nie verschließe
wenn mein trockner Mund sie bittet – um einen Tropfen Wein.
In deinem schönen Mund – ist es Wasser? – ist es Wein?
Dem Kelch will ich die Lippen küssen – den Moschusduft

Zu Ende ist nun meines Liedes – so süßer Hauch.
Weit ist der Weg zu Dir Geliebte – ich breche auf
In der Luft liegt schwer der Moschusduft
ich breche auf, ich breche auf…


Ibn Quzman

Ibn Quzman (Cordoba 1080-1160) war der erste Dichter in al-Andalus, der nicht in Hocharabisch, sondern in der Sprache des Volkes dichtete. Er war nicht, wie die meisten Dichter und Künstler, abhängig von einem Kalifen, sondern zog in Cordoba von Kneipe zu Kneipe und unterhielt die Menschen ohne Schere im Kopf mit den Themen, die sie bewegten.

La´illaha il`allah/ Kyrie Eleyson

 – die Begegnung von Abendland und Morgenland

La´illaha il`allah (der Islam)
Es gibt keinen Gott außer Gott

Kyrie Eleyson, Kyrie Eleyson, Christe Eleyson (das Christentum)
Herr, erbarme dich! Christe, erbarme dich!

Karawane der Liebe (Ibn al-Arabi )

Es töten ihre Blicke, doch zum Leben erweckt ihr Wort, als sei sie Jesus gleich.
Wie Thoratafeln glänzen ihre Schenkel,
ich lese und studiere sie wie Moses.
Christliche Bischöfin, doch ohne Schmuck,
verbreitet sie das Strahlen des Gesetzes.
Einsam und ohne Freunde nahm sie sich die entrückte Klause.
Sie übertrifft die Weisen unseres Glaubens,
die schriftgelehrten Juden und Prälaten.
Als ihr Kamel zur Reise drängte, rief ich:
Ihr Treiber! Niemals nehmt sie mit euch fort!

Du Schönheit! Anmut! Gebt mir Luft zum Atem!

Sie kreist umher in meinem Herzen Stunde um Stunde,
zur Liebe und zur Qual, und küsste mein ganzes Wesen.
Das wunderbarste sind verschleierte Gazellen;
es locken rotlackierte Finger, schöne Augen.
Ihr Weidengrund ist tief im Innern meiner Brust;
wie wundervoll: ein Garten zwischen Feuerflammen!
Mein Herz hat angenommen jegliche Gestalt:
für die Gazellen Weideplatz, für Mönche Kloster,
den Götzen Tempelbau, dem Pilgerkreis die Ka`ba, Schriftrollen für die Thora, das heilige Buch dem Koran. Dies ist der Ort: die Biegung in den Felsen; gib die Kamele frei, wir sind am Ziel!

Mein Glaube ist die Liebe:
Wo die Karawane auch hinziehen mag, ist Liebe meine Religion.

Genießt!- wie die Mädchen mit den vollen Brüsten,
und weidet – wie die flüchtigen Gazellen,
im Garten, wo die Fliegen tönend schwirren und Vögel freudig ihre Antwort flöten.
So lieblich der Ort, so zart sein Hauch!

Aus Adams Zeiten erzählt der Wein uns seine Geschichte vom Paradiesgarten.
Der süße Wein entfließt dem Mund der Schönen,
wie von den Mädchen Moschus zu uns strömt.
So lieblich der Ort, so zart sein Hauch!


Ibn al Arabi

Ibn al Arabi (1165 Murcia in al-Andalus – 1240 Damaskus in Syrien) ist der berühmteste Dichter und Philosoph der arabischen Welt. Für ihn war Liebe und Sexualität ein Gottesdienst und er sah Gott in allen Formen des Lebendigen (die Lehre von der „Einheit des Seins“- wahdat al-wudschūd), wofür er oft kritisiert und verboten wurde. Sein bekanntestes Gedicht „Dolmetscher der Sehnsüchte“ (der Text „Karawane der Liebe“ ist ein Ausschnitt davon) spricht über die vielen Erscheinungsformen des Göttlichen. Er widmete es seiner verehrten jungen Geliebten Nizami aus Mekka.

Seite 1 von 2

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén