Ich sitze am Fuße eines Baumes
in reicher Laube.
Der Nordwind neckt den Baum,
der neckt ihn spielend wieder.
Denn er ist trunken vom Gesang der Taube
und schlürft die Wolke aus.
– Sie beugt sich nieder

Der Stern des reinen Weines
steigt empor am Morgenhimmel.
Der junge Tag bereitet sich Vergnügen,
und lässt die morgenroten Fahnen fliegen.

Der Garten zeigt ein leuchtendes Gesicht:
die Schatten bilden seine schwarzen Haare,
sein schöner Mund ist dort, wo das klare Wasser
lächelnd sich in die Gräser flicht.
– Wie schön ist dieser Fluss!

Ich nahe seinen hellen Gewässern noch lieber
als den Lippen schöner Frauen.
Und bis zum Abend klingt das Lied der Taube
und alle Zweige tanzen her und hin.
Ich freue mich über sie,
und über mich freut sich die Laube.
– Weil ich in meinem Garten glücklich bin!


Ibn Khafadja

Ibn Khafadja (1058-1139) wird auch „der Gärtner“ genannt und ist einer der berühmtesten Poeten von al-Andalus. Sein besonderes Stilelement ist eine Vermischung von Natur und Eros gepaart mit der Nostalgie verlorener Paradiese. Landschaften werden bei ihm zu Seelenlandschaften, wobei die Natur oft als Frauengestalt erscheint oder mit femininen Attributen versehen wird.