Kategorie: Presse

Neue Ausstellung in der Marienkirche

Von Josephine Mühln
Artikel in der MAZ, veröffentlicht: 12.05.2017

Die Ausstellung „Convivencia – Die Poesie des Zusammenlebens in al-Andalus und heute“ wird am 13. Mai in der Bad Belziger Marienkirche eröffnet. Gezeigt werden Bilder der Bad Belziger Malerin Beate Simon und des syrischen Künstlers Rodi Khalil. Für die Besucher der Ausstellung hat Beate Simon einen ganz besonderen Wunsch.

Auch das Bild „Al-Andalus“ wird Beate Simon in der Marienkirche ausstellen. Quelle: Josephine Mühln

Bad Belzig. Vor über 1000 Jahren haben in al-Andalus Moslems, Christen und Juden zusammengelebt. Al-Andalus war seinerzeit der Teil der iberischen Halbinsel – also wo heute Spanien, Portugal, Gibraltar und das Fürstentum Andorra angesiedelt sind – der muslimisch beherrscht wurde. Die Ausstellung „Convivencia – Die Poesie des Zusammenlebens in al-Andalus und heute“ will diese längst vergangene Zeit und den Reichtum der damaligen multikulturellen Gesellschaft ins Heute holen. Sie wird am 13. Mai in der Bad Belziger Marienkirche eröffnet und zeigt Bilder der Bad Belziger Malerin Beate Simon und des syrischen Künstlers Rodi Khalil.

„Mir war von Anfang an klar, dass ich wieder zusammen mit einem Maler aus einer anderen Kultur ausstellen möchte“, sagt Beate Simon. Rodi Khalil hat sie 2007 kennengelernt, beim Kulturfestival „Kulturelle Landpartie“ im Wendland. Khalil selbst ist 2003 als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen, hat vorher an der Akademie der schönen Künste in Damaskus studiert. „Ich beschäftige mich seit langem mit anderen Kulturen, Religionen und deren Zusammenspiel in Gegenwart und Vergangenheit“, sagt der Künstler, der in Bremen lebt und arbeitet.

Besucher sollen optimistisch zurück in den Alltag gehen

Das Wort „Convivencia“ ist ein spanischer Begriff und bedeutet: Zusammenleben. „Die Menschen in al-Andalus haben in Frieden zusammengelebt und gemeinsam Architektur, Poesie, Musik oder auch Astronomie geschaffen“, sagt Beate Simon. „Es war uns wichtig, das als positives Beispiel zu beleuchten.“ Schließlich sei die Thematik auch heute wieder aktuell. „Wie können wir interkulturell zusammenleben?“, fragt die Künstlerin. „Das ist die nächste Phase, mit der wir alle konfrontiert werden: Wie können wir uns aneinander bereichern, statt fremd zu bleiben?“

Das Bild „Kulturenkreise“ des syrischen Malers Rodi Khalil. Quelle: privat

Beate Simon wünscht sich, dass die Besucher der Ausstellung voller Optimismus zurück in den Alltag gehen und positiv gestimmt sind im Hinblick auf die Herausforderung, mit fremden Kulturen zusammenzuwachsen. „Natürlich ist das schwer“, sagt die Malerin. „Bei all den unterschiedlichen Prägungen, wo Reibungen und Enttäuschungen entstehen können.“ Trotzdem müsse die Gesellschaft dran bleiben und die Zeit von al-Andalus als Vorbild nehmen. „Die Menschen damals sind sehr respektvoll miteinander umgegangen. Das war eine positive Zeit, die ganz Europa geprägt hat.“ Es sei wichtig, dass Menschen ihre Vorurteile ablegen. „Wo Offenheit herrscht, passiert Weiterentwicklung“, sagt Beate Simon, die bis vor ein paar Jahren vor allem im Bereich des Figuren- und Objekttheaters künstlerisch tätig war.

Verein „Respekt“ fördert die Ausstellung

Etwa 20 Werke von ihr und Rodi Khalil werden in der Marienkirche zu sehen sein, finanziell gefördert wird die Ausstellung vom Bad Belziger Verein „Respekt“. Zur Ausstellungseröffnung spielt außerdem die Band „Bazar andalus“ mit Musikern aus dem Hohen Fläming und dem Gast-Musiker Ismael aus dem Iran. Gespielt wird arabisch-andalusischer Jazz mit Texten aus der Zeit von al-Andalus und modernen Einflüssen. In Bad Belzig bleibt die Ausstellung bis zum 21. Juni, bevor sie weiterzieht in die Martin-Luther-Kirche in Berlin-Neukölln. „Das finde ich besonders spannend, weil dort ja quasi der Hotspot des arabischen Viertels ist“, sagt Beate Simon.

Initiator des Kunstprojekts ist neben der Bad Belzigerin selbst außerdem Dieter Halbach. Beide gründeten bereits gemeinsam die Flüchtlingsinitiative „People meet People“, die Begegnungsräume für Deutsche und Geflüchtete entwickelt hat. Dort lernte Beate Simon auch den syrischen Maler Imad Alfil kennen, mit dem sie im vergangenen Jahr die Ausstellung „Flucht“ realisiert hat, die ebenfalls in Bad Belzig zu sehen war. „Convivencia“ kann als Fortsetzung dieses Projekts verstanden werden, von der Vergangenheitsbewältigung geht es jetzt in die Gegenwart und Zukunft.

 

 

 

Trio Bazar andalus „Wie duftet, tönt und schmeckt das Paradies?“

von Michael Caspar
Artikel Göttinger Tageblatt veröffentlicht: Sonntag, 12.03.2017

Dieter Halbach, Wolfgang Schmidbauer & Dietmar Roth (v.l.n.r.)

Gehört der Islam zu Europa? Ja, meint Dieter Halbach vom Trio Bazar andalus. Poesie und Musik aus Al-Andalus stellte die Band am Sonnabend bei einem Konzert in der Göttinger Musa vor. 800 Jahre lang haben Christen und Juden in Spanien unter muslimischer Herrschaft gelebt. „Eine Blütezeit“, so Halbach.

Muslimische Flüchtlinge können Deutschland bereichern, ist sich der Musiker sicher. Um für ein „fruchtbringendes Zusammenleben“ zu werben, gründete Halbach im vergangenen Jahr im brandenburgischen Bad Belzig die Band. Das Gesangstrio, das beeindruckend viele Instrumente spielt, hat sich seither ein abendfüllendes Programm erarbeitet. Der fünfte Auftritt führte das Trio nach Göttingen, wo es vor 30 Zuhörern spielte.
Im arabischen Andalusien war das Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen „nicht konfliktfrei“, räumte Halbach ein. Auf zeitgenössische Dichter habe der Süden Spaniens aber wie der Garten Eden gewirkt, erklärte er und zitierte den Poeten Ibn Khafadja (1058-1139): „Wie duftet, tönt, schmeckt und atmet das Paradies? Al-Andalus, ihr Leute, ist ein Wunder!“
Nicht so sittenstreng und konservativ sei der Islam damals gewesen, fand Halbach bei seinen Recherchen heraus. Danach besangen die muslimischen Dichter Wein und Liebeslust. Ihre Dichtung atme den „Geist der Aufklärung“, findet der Künstler, der die Gedichte überarbeitet hat. Um historische Genauigkeit geht es dem jazzigen Weltmusiktrio auch bei der musikalischen Umsetzung nicht.
Halbach spielte in Göttingen Gitarre und die Oud, deren Klänge er ineinander fließen ließ. Der Musiker griff zur türkischen Saz, die einen metallisch-harten und hellen Klang hat. Er beherrscht die schwer zu spielende armenische Flöte Duduk und entlockte einer irischen Tin Whistle die mystischen Klänge der Sufimusik. Wolfgang Schmidbauer war an der Gitarre zu hören, sorgte zudem mit Schellenkranz, Rahmentrommel und Darbuka für Percussion. Den Kontrabass zupfte Dietmar Roth, der die Band bei einigen Stücken mit Gitarre oder Geige begleitete. Indische Ragas stimmte Halbach auf der afghanischen Laute Rubab an. Schmidbauer begleitete ihn auf der indischen Sarod.
http://www.goettinger-tageblatt.de/Kultur/Regional/Trio-Bazar-andalus-erinnert-in-Goettingen-an-das-arabische-Andalusien

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