Kategorie: Presse

Interkulturelles Symposium Wiesenburg 2018

Die Gruppe „Bazar Andalus“ gestaltet den Abschluss des zweiten interkulturellen Künstlersymposium in Wiesenburg.
Die Gruppe „Bazar Andalus“ gestaltet den Abschluss des zweiten interkulturellen Künstlersymposium in Wiesenburg. Quelle: promo

Wiesenburg

Zum zweiten Mal treffen sich Künstler verschiedenen Kulturen in Wiesenburg zu einem Kunstsymposium. Sowohl vor kurzem Geflüchtete als auch schon länger hier wohnende Migranten und Deutsche sind dabei. Mitwirkende aus den Sparten Malerei, Musik, Dichtung, Tanz und Videokunst hoffen, sich von einem gemeinsamen interkulturellen und interdisziplinären Raum inspirieren lassen.

Die Initiatoren des Symposiums sind Beate Simon und Dieter Halbach. Sie haben schon in Bad Belzig in der Flüchtingsinitiative „People meet People“ (Menschen begegnen Menschen) zusammengearbeitet. „Mit der zweiten Ausgabe möchten wir einen kontinuierlichen Ort des Austauschs fortsetzen“, erklären sie.

Wo im Alltag oft Sprachlosigkeit herrscht

Weiter heißt es: „ In der interkulturellen Begegnung erleben wir immer wieder, dass wo im Alltag oft Sprachlosigkeit herrscht, wir uns mit der universellen Sprache der Kunst verständigen können. Dabei können sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede und Konflikte thematisiert und kommuniziert werden.“

Fünf Maler, sechs Musiker, zwei Dichter, eine Tänzerin und Gastgaber Malcolm St. Julian Bown als Video-Protagonist sind dabei. Zum Abschluss werden sie alle am Wochenende die Früchte dieser künstlerischen Begegnungen dem Publikum präsentieren. Dazu wird herzlich eingeladen.

Auftakt für den Kunstsommer

Die Veranstaltung ist zudem Auftakt für den von der Kulturförderung Potsdam-Mittelmark unterstützten Kunstsommer „Hoher Fläming“. Dessen Programm hält bis September rund ein Dutzend sehr vielfältige, teils sogar interaktive Offerten parat .

Dieser erste Höhepunkt klingt am Sonnabend,ab 18.30 Uhr, mit der Ausstellungseröffnung der Maler im Kulturtreff „Alten Schule“ aus. Dort werden auch die Künstler selbst zu Wort kommen.

Sandmalerei-Performance

Zum Konzert der Musiker wird schließlich ab 20 Uhr in Mal‘s Scheune eingeladen Dort ist obendrein zu erleben, wie mit Anne Löper eine Sandmalerei-Performance umsetzt, während parallel Beate Simone live mit Farben zur Musik arbeitet.

Dazu wird die Formation „Bazar Andalus“ erwartet. Deren persischer Frontmann Esmail Saedibringt sich dieser Tage ebenfalls schon mit seinen Erfahrungen ein

Der Abend klingt aus mit gemütlichem Beisammensein an der Bar und einem Raum für Austausch mit den Künstlern.

Von René Gaffron

Sandmalerei Anne Löpers Wiesenburg 2018

Anne Löper (links) malt in Sand die Geschichten, die die persischen und kurdischen Lieder der Band „Bazar andalus“ erzählen.
Anne Löper (links) malt in Sand die Geschichten, die die persischen und kurdischen Lieder der Band „Bazar andalus“ erzählen. Quelle: foto: Josefine Kühnel

Wiesenburg

Der Raum ist abgedunkelt, auf der Bühne sitzen verschiedene Musiker mit ihren Instrumenten, eine junge Dame gibt Bauchtanz zum besten, daneben stehen zwei Frauen. Eine hantiert mit Farben. Die andere schiebt mit ihren flinken Fingerspitzen feinsten Sand über eine Glasplatte. Ein Beamer überträgt die entstehenden Gemälde der Künstlerin auf die Leinwand. Begleitet von den persischen und kurdischen Gesangsstücken der Band.

 

Convivencia – Zusammenleben

So vereinten sich in Mals Scheune am Samstagabend Malerei, Musik, Dichtung, Tanz und Videokunst in der Abschlussveranstaltung des zweiten interkulturellen Kunstsymposiums „Convivencia“ in Wiesenburg.

Beate Simon und Dieter Halbach waren die Initiatoren des Projekts. „Convivencia ist spanisch und bedeutet Zusammenleben.“, erklärt Beate Simon. „In Spanien lebten Moslems, Christen und Juden fast 800 Jahre zusammen. In der künstlerischen Begegnung wollen wir uns davon inspirieren lassen.“

Die verschiedensten Künste vereinen sich im Projekt „Convivenzia“
Die verschiedensten Künste vereinen sich im Projekt „Convivenzia“. Quelle: Josefine Kühnel

Künstlerisches Schaffen in Mals Scheune

Für genau eine Woche trafen sich mit diesem Ziel sowohl Künstler aus der Region als auch aus der Ferne in Mals Scheune und der Alten Schule, um sich gegenseitig im kreativen Schaffen in unterschiedlichen Genres voranzubringen.

Sandmalerei von Anne Löper

Unter ihnen war auch die Sandmalerin Anne Löper. Ihre Sandgemälde verbildlichen die Inhalte der orientlaischen Lieder der Band „Bazar andalus“. Darin geht es um das Beisammensein, Völkerverständigung, aber auch Angst, Verfolgung und Flucht.

Die 37-Jährige machte zunächst eine Ausbildung zur Grafikerin. „Das war mir aber immer noch nicht genug, also nahm ich noch ein siebenjähriges Kunststudium auf“, sagt sie.

Die gebürtige Sächsin erlernte in Indien eine spezielle Zweifingertechnik für besonders feine Linien
Die gebürtige Sächsin erlernte in Indien eine spezielle Zweifingertechnik für besonders feine Linien. Quelle: Josefine Kühnel

Inspiration fand sie in Russland

Ursprünglich wollte die gebürtige Sächsin Illustratorin werden, doch das änderte sich, nachdem sie in Russland die Aufführung einer Sandmalerin gesehen hatte: „Das war Liebe auf den ersten Blick. Ich wusste sofort, dass das genau das ist, was ich in Zukunft machen möchte.“

Da es über diese Kunstform keine Lehrbücher gibt, brachte sich die jetzt in Hessen lebende Künstlerin ab 2008 alles autodidaktisch bei. „Bis auf die Zweifingertechnik, die habe ich in Indien gelernt“, sagt sie.

Wie funktioniert Sandmalerei?

Für ihre Gemälde nutzt sie Sand aus der Wüste Gobi in Asien. Den streut sie auf ihren selbst gebauten Sandmalereitisch, der eine von unten beleuchtete Glasplatte mit unterschiedlichen Schichtungen für spezielle Schattierungen trägt.

Über dem Tisch ist eine Kamera installiert, die die Performance filmt und auf eine Leinwand überträgt. Durch freistellen, wischen, streuen und schieben entwickelt sie immer wieder neue Bilder. „Mein Anspruch ist es, von einem Bild ins nächste zu gehen und dabei eine Geschichte zu erzählen.“

Der Inhaber der Scheune, Malcolm St Julian Bown, nimmt die Vorführung auf und stellt sie unter seinem Youtube Kanal Mal´s Scheune online
Der Inhaber der Scheune, Malcolm St Julian Bown, nimmt die Vorführung auf und stellt sie unter seinem Youtube Kanal Mal´s Scheune online Quelle: Josefine Kühnel

Farbe ergänzt die seltene Kunst

Die Initiatorin Beate Simon entdeckte Anne Löper bei einer Aufführung in Mals Scheune vor zwei Monaten. Sie ließ in die Sandmalereien Farben einfließen. Diese Kunst unterscheidet die Performance von anderen Sandmalereien.

Die etwa eineinhalbstündige multimediale Aufführung nahm der Besitzer der Scheune, Malcolm St. Julian-Bown, auf Video auf, das demnächst auf seinem Youtube-Kanal „Mal´s Scheune“ zu sehen sein wird.

Von Josefine Kühnel

Neue Ausstellung in der Marienkirche

Von Josephine Mühln
Artikel in der MAZ, veröffentlicht: 12.05.2017

Die Ausstellung „Convivencia – Die Poesie des Zusammenlebens in al-Andalus und heute“ wird am 13. Mai in der Bad Belziger Marienkirche eröffnet. Gezeigt werden Bilder der Bad Belziger Malerin Beate Simon und des syrischen Künstlers Rodi Khalil. Für die Besucher der Ausstellung hat Beate Simon einen ganz besonderen Wunsch.

Auch das Bild „Al-Andalus“ wird Beate Simon in der Marienkirche ausstellen. Quelle: Josephine Mühln

Bad Belzig. Vor über 1000 Jahren haben in al-Andalus Moslems, Christen und Juden zusammengelebt. Al-Andalus war seinerzeit der Teil der iberischen Halbinsel – also wo heute Spanien, Portugal, Gibraltar und das Fürstentum Andorra angesiedelt sind – der muslimisch beherrscht wurde. Die Ausstellung „Convivencia – Die Poesie des Zusammenlebens in al-Andalus und heute“ will diese längst vergangene Zeit und den Reichtum der damaligen multikulturellen Gesellschaft ins Heute holen. Sie wird am 13. Mai in der Bad Belziger Marienkirche eröffnet und zeigt Bilder der Bad Belziger Malerin Beate Simon und des syrischen Künstlers Rodi Khalil.

„Mir war von Anfang an klar, dass ich wieder zusammen mit einem Maler aus einer anderen Kultur ausstellen möchte“, sagt Beate Simon. Rodi Khalil hat sie 2007 kennengelernt, beim Kulturfestival „Kulturelle Landpartie“ im Wendland. Khalil selbst ist 2003 als politischer Flüchtling nach Deutschland gekommen, hat vorher an der Akademie der schönen Künste in Damaskus studiert. „Ich beschäftige mich seit langem mit anderen Kulturen, Religionen und deren Zusammenspiel in Gegenwart und Vergangenheit“, sagt der Künstler, der in Bremen lebt und arbeitet.

Besucher sollen optimistisch zurück in den Alltag gehen

Das Wort „Convivencia“ ist ein spanischer Begriff und bedeutet: Zusammenleben. „Die Menschen in al-Andalus haben in Frieden zusammengelebt und gemeinsam Architektur, Poesie, Musik oder auch Astronomie geschaffen“, sagt Beate Simon. „Es war uns wichtig, das als positives Beispiel zu beleuchten.“ Schließlich sei die Thematik auch heute wieder aktuell. „Wie können wir interkulturell zusammenleben?“, fragt die Künstlerin. „Das ist die nächste Phase, mit der wir alle konfrontiert werden: Wie können wir uns aneinander bereichern, statt fremd zu bleiben?“

Das Bild „Kulturenkreise“ des syrischen Malers Rodi Khalil. Quelle: privat

Beate Simon wünscht sich, dass die Besucher der Ausstellung voller Optimismus zurück in den Alltag gehen und positiv gestimmt sind im Hinblick auf die Herausforderung, mit fremden Kulturen zusammenzuwachsen. „Natürlich ist das schwer“, sagt die Malerin. „Bei all den unterschiedlichen Prägungen, wo Reibungen und Enttäuschungen entstehen können.“ Trotzdem müsse die Gesellschaft dran bleiben und die Zeit von al-Andalus als Vorbild nehmen. „Die Menschen damals sind sehr respektvoll miteinander umgegangen. Das war eine positive Zeit, die ganz Europa geprägt hat.“ Es sei wichtig, dass Menschen ihre Vorurteile ablegen. „Wo Offenheit herrscht, passiert Weiterentwicklung“, sagt Beate Simon, die bis vor ein paar Jahren vor allem im Bereich des Figuren- und Objekttheaters künstlerisch tätig war.

Verein „Respekt“ fördert die Ausstellung

Etwa 20 Werke von ihr und Rodi Khalil werden in der Marienkirche zu sehen sein, finanziell gefördert wird die Ausstellung vom Bad Belziger Verein „Respekt“. Zur Ausstellungseröffnung spielt außerdem die Band „Bazar andalus“ mit Musikern aus dem Hohen Fläming und dem Gast-Musiker Ismael aus dem Iran. Gespielt wird arabisch-andalusischer Jazz mit Texten aus der Zeit von al-Andalus und modernen Einflüssen. In Bad Belzig bleibt die Ausstellung bis zum 21. Juni, bevor sie weiterzieht in die Martin-Luther-Kirche in Berlin-Neukölln. „Das finde ich besonders spannend, weil dort ja quasi der Hotspot des arabischen Viertels ist“, sagt Beate Simon.

Initiator des Kunstprojekts ist neben der Bad Belzigerin selbst außerdem Dieter Halbach. Beide gründeten bereits gemeinsam die Flüchtlingsinitiative „People meet People“, die Begegnungsräume für Deutsche und Geflüchtete entwickelt hat. Dort lernte Beate Simon auch den syrischen Maler Imad Alfil kennen, mit dem sie im vergangenen Jahr die Ausstellung „Flucht“ realisiert hat, die ebenfalls in Bad Belzig zu sehen war. „Convivencia“ kann als Fortsetzung dieses Projekts verstanden werden, von der Vergangenheitsbewältigung geht es jetzt in die Gegenwart und Zukunft.

 

 

 

Trio Bazar andalus „Wie duftet, tönt und schmeckt das Paradies?“

von Michael Caspar
Artikel Göttinger Tageblatt veröffentlicht: Sonntag, 12.03.2017

Dieter Halbach, Wolfgang Schmidbauer & Dietmar Roth (v.l.n.r.)

Gehört der Islam zu Europa? Ja, meint Dieter Halbach vom Trio Bazar andalus. Poesie und Musik aus Al-Andalus stellte die Band am Sonnabend bei einem Konzert in der Göttinger Musa vor. 800 Jahre lang haben Christen und Juden in Spanien unter muslimischer Herrschaft gelebt. „Eine Blütezeit“, so Halbach.

Muslimische Flüchtlinge können Deutschland bereichern, ist sich der Musiker sicher. Um für ein „fruchtbringendes Zusammenleben“ zu werben, gründete Halbach im vergangenen Jahr im brandenburgischen Bad Belzig die Band. Das Gesangstrio, das beeindruckend viele Instrumente spielt, hat sich seither ein abendfüllendes Programm erarbeitet. Der fünfte Auftritt führte das Trio nach Göttingen, wo es vor 30 Zuhörern spielte.
Im arabischen Andalusien war das Zusammenleben von Juden, Christen und Muslimen „nicht konfliktfrei“, räumte Halbach ein. Auf zeitgenössische Dichter habe der Süden Spaniens aber wie der Garten Eden gewirkt, erklärte er und zitierte den Poeten Ibn Khafadja (1058-1139): „Wie duftet, tönt, schmeckt und atmet das Paradies? Al-Andalus, ihr Leute, ist ein Wunder!“
Nicht so sittenstreng und konservativ sei der Islam damals gewesen, fand Halbach bei seinen Recherchen heraus. Danach besangen die muslimischen Dichter Wein und Liebeslust. Ihre Dichtung atme den „Geist der Aufklärung“, findet der Künstler, der die Gedichte überarbeitet hat. Um historische Genauigkeit geht es dem jazzigen Weltmusiktrio auch bei der musikalischen Umsetzung nicht.
Halbach spielte in Göttingen Gitarre und die Oud, deren Klänge er ineinander fließen ließ. Der Musiker griff zur türkischen Saz, die einen metallisch-harten und hellen Klang hat. Er beherrscht die schwer zu spielende armenische Flöte Duduk und entlockte einer irischen Tin Whistle die mystischen Klänge der Sufimusik. Wolfgang Schmidbauer war an der Gitarre zu hören, sorgte zudem mit Schellenkranz, Rahmentrommel und Darbuka für Percussion. Den Kontrabass zupfte Dietmar Roth, der die Band bei einigen Stücken mit Gitarre oder Geige begleitete. Indische Ragas stimmte Halbach auf der afghanischen Laute Rubab an. Schmidbauer begleitete ihn auf der indischen Sarod.
http://www.goettinger-tageblatt.de/Kultur/Regional/Trio-Bazar-andalus-erinnert-in-Goettingen-an-das-arabische-Andalusien

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