Maler der Geschichte von Bayâd und Riyâd (Public domain), via Wikimedia Commons

Die Geschichte von Bayâd und Riyâd (« Hadîth Bayâd wa Riyâd »), Maghrebinisches Manuskript, Szene: Bayâd singt zur Laute vor der Herrin und ihren Dienerinnen, Maler der Geschichte von Bayâd und Riyâd (Public domain), via Wikimedia Commons

Als Schlüsselfigur der andalusischen Musik und Kultur gilt „Ziryab“ ( Abul-Hasan Alí Ibn Nafí). Im 9.Jh. kam er aus dem Irak nach Cordoba, wo er als Sänger auftrat und eine Musikschule gründete. Seine dunkle Haut und seine wohlklingende Stimme erinnerten an eine Amsel mit ihren schwarzen Federn und ihrem schönen Gesang und so nannte man ihn Ziryab – die Amsel.

Zusammen mit all seinen anderen Neuerungen brachte er das neueste Musikmaterial aus dem Osten mit, ob das aus Bagdad oder einfach nur aus Tunis war. In der Legende und in einigen der historischen Quellen wird er nicht nur als eine schöne Stimme dargestellt, sondern als ein sehr innovativer Spieler der Laute mit einem erstaunlichen Gedächtnis. Er soll 10.000 Lieder und ihre Melodien auswendig gelernt haben und sie in seinen Auftritten in ganzen Lied-Programmen aufgeführt haben.

Schon bald erregte er die Aufmerksamkeit des Kalifen Harun al Raschid. Nicht nur weil er der Laute die bis dato unbekannte fünfte Saite beifügte und zum Anschlagen der Lautensaiten statt eines Holzplektrums ein Plektrum aus einer Adlerkralle benutzte, sondern auch wegen seiner schönen Stimme und seiner wohlklingenden Musikkompositionen. So erlangte er die Gunst des Kalifen und bei Hofe den Ruf eines hervorragenden Lautenspielers und Sängers. Mit Schmeicheleien vermochten die Umayyaden-Herrscher in Andalusien Ziryab an ihren Hof in Córdoba zu holen. Unter Kalif Abderramán II. (792-852) revolutionierte Ziryab das höfische Zeremoniell komplett und er wurde der „arbiter elegantiarum“ des Kalifen.
In Córdoba angekommen, wurden Ziryab und sein Gefolge in einem der schönsten Häuser der Stadt untergebracht.

Abderrahmán II. ließ ihn zum Abendessen kommen und stellte ihn anderen wichtigen Personen der Verwaltung und des Hofes vor. Das Essen wurde nach den alten Traditionen aus der Zeit der Westgoten, die vor den Muslimen über Andalusien herrschten, serviert und gegessen… zum absoluten Entsetzen des Ästheten Ziryab.

Als Lebenskünstler und Meister der feinen orientalischen Essgewohnheiten und edlen Tischsitten registrierte er mit aufmerksamen Blicken das Geschehen und versuchte, sich von den Angewohnheiten der Andalusier ein Bild zu verschaffen: es gab einen gewaltigen Unterschied zwischen den Gewohnheiten im Osten, wie zum Beispiel in Bagdad und Samarra, und denen in Córdoba.

Diesen Missstand wollte Ziryab schnell ändern und führte raffinierte Rezepte aus dem islamischen Osten und die Speisenfolge für die verschiedenen Gänge eines Essens ein. Er zeigte den Herren von Córdoba, dass man die Gerichte nicht in wilder willkürlicher Folge aufträgt, sondern dass man mit einer Suppe und einer Vorspeise beginnt, dem dann Fisch und danach Fleisch folgen. Gekrönt wird das Mahl von einem opulenten Dessert und den kleinen Gläschen für den Likör. Auch lehrte der Ästhet seine maurischen Zeitgenossen, dass man mit einem zierlichen Trinkgefäß aus Glas in der Hand viel eleganter aussieht, als mit einem schweren Humpen aus Gold oder Silber.

Seine Neuerungen der vornehmen Lebensart und Kultur wurden aufgrund ihrer praktischen Vorteile und Ästhetik sehr rasch von Adel und Bevölkerung übernommen und bald auch bis in die Herrscherhäuser der christlichen europäischen Länder übermittelt. Auch seine Art, sich zu kleiden fand schnell Nachahmer. Ziryab kleidete sich je nach Jahreszeit unterschiedlich. Er legte fest, dass man sich von Mai bis September in Weiß kleidete und die Stoffe mit dunklen und bunten Farben sowie die Lederkleidung den Wintermonaten vorbehalten seien.Dank Ziryab legte man in Córdoba nun auch Wert auf gepflegtes Haar, manikürte Fingernägel und weiche, zarte Haut. In al-Andalus führte er auch das Schachspiel und das Polospiel ein.

Ziryabs echter name war Abul-Hasan Ali ibn Nafi, und er wurde 789 in Mesopotanien geboren und revolutionierte in al-Andalus die europäische Kultur. Aufgrund seiner schönen Stimme wurde er Ziryab, das bedeutet schwarzer Vogel oder Amsel genannt. Source: http://www.muslimheritage.com/article/ziryab

Ziryabs echter name war Abul-Hasan Ali ibn Nafi, und er wurde 789 in Mesopotanien geboren und revolutionierte in al-Andalus die europäische Kultur. Aufgrund seiner schönen Stimme wurde er Ziryab, das bedeutet schwarzer Vogel oder Amsel genannt. Quelle

Ziryab beschränkte seine Tätigkeit am Hof von Córdoba aber nicht auf den Unterricht in feinem Benehmen. Er gründete eine der ersten Gesangsschulen und entwickelte eine neuartige Methode des Gesangsunterrichts. Wenn wir über die Musikschule von Ziryab sprechen, sprechen wir wahrscheinlich nicht über ein Gebäude mit Klassenzimmern. Aber wir wissen, dass er zehn Kinder, acht Töchter und zwei Söhne hatte, die alle Sänger und Musiker waren. Und wir wissen, dass er eine Reihe von Musikern und Sänger in Cordoba trainierte. Verschiedene Quellen erzählen, wie er lehrte. Wenn ein Student nicht die große Stimmkapazität hatte, wurden ihm z. B. Holzstücke in den Kiefer gelegt, um ihn zu zwingen, den Mund offen zu halten.

Die Dienste des Ziryab waren dem Kalifen Abderramán II. im wahrsten Sinne des Wortes Gold wert. Kein anderer Musiker wurde damals derart großzügig bezahlt und so verließ Ziryab den Hof von Córdoba nie mehr und blieb bis zu seinem Tod im Jahre 857 dort.

 

Maqamat Ziryab: viele berühmte Musiker, wie hier der ägyptische OUD-Spieler Naseer Shamma, beziehen sich noch heute auf Ziryab, Quelle


Bild am Seitenanfang: Ausschnitt aus der Geschichte von Bayâd und Riyâd (« Hadîth Bayâd wa Riyâd »), Maghrebinisches Manuskript, Szene: Bayâd singt zur Laute vor der Herrin und ihren Dienerinnen, Maler der Geschichte von Bayâd und Riyâd (Public domain), via Wikimedia Commons