Sie kam, begehrenswert – wie Rast nach schwerer Reise, wie Schlaf nach durchwachter Nacht
– wie Stille der Erlösung.

Vom Abend bis zum frühen Morgen – bin ich bei ihr,
wo sie ihrer Brüste Lanzenspitzen auf mich richtet,
wo aus dem Mund ich ihr – die Margeriten sauge
und ihres Leibes schlanke Gerte – zu mir hinab beuge!

Sie wiegt ihre Hüften, und ich bitte sie zu pflücken
die Blüte des Verlangens, der Vereinigung Frucht.
Doch sie entzieht sich mir, biegt und windet sich,
wie der Myrtenbaum im Wind sich wiegt.
Was in ihr an Tränen war, bricht aus ihr heraus,
so wie aus trockenem Stein reines Wasser quillt.

Ich sehe sie aus ihrem Kleide gleiten
wie aus seiner Scheide das Schwert sich schält.
Wie süß zu tasten ist ihr schlanker, gerader Leib;
es beben ihre Flanken wie die Klinge federt.
Mein Kuss flieht von den Wangen hin zum Mund
ein klarer Trunk ist besser noch,
als eine Brise von Rosen!
Ihr Antlitz küsse ich in des Glückes Sonnenaufgang.

Wenn sie nicht selbst die Sonne war,
dann war sie ihre Schwester
– wie aus einem Stoff gewoben.


Ibn Khafadja

Ibn Khafadja (1058-1139) wird auch „der Gärtner“ genannt und ist einer der berühmtesten Poeten von al-Andalus. Sein besonderes Stilelement ist eine Vermischung von Natur und Eros gepaart mit der Nostalgie verlorener Paradiese. Landschaften werden bei ihm zu Seelenlandschaften, wobei die Natur oft als Frauengestalt erscheint oder mit femininen Attributen versehen wird.