Monat: Mai 2018

Interkulturelles Symposium Wiesenburg 2018

Die Gruppe „Bazar Andalus“ gestaltet den Abschluss des zweiten interkulturellen Künstlersymposium in Wiesenburg.
Die Gruppe „Bazar Andalus“ gestaltet den Abschluss des zweiten interkulturellen Künstlersymposium in Wiesenburg. Quelle: promo

Wiesenburg

Zum zweiten Mal treffen sich Künstler verschiedenen Kulturen in Wiesenburg zu einem Kunstsymposium. Sowohl vor kurzem Geflüchtete als auch schon länger hier wohnende Migranten und Deutsche sind dabei. Mitwirkende aus den Sparten Malerei, Musik, Dichtung, Tanz und Videokunst hoffen, sich von einem gemeinsamen interkulturellen und interdisziplinären Raum inspirieren lassen.

Die Initiatoren des Symposiums sind Beate Simon und Dieter Halbach. Sie haben schon in Bad Belzig in der Flüchtingsinitiative „People meet People“ (Menschen begegnen Menschen) zusammengearbeitet. „Mit der zweiten Ausgabe möchten wir einen kontinuierlichen Ort des Austauschs fortsetzen“, erklären sie.

Wo im Alltag oft Sprachlosigkeit herrscht

Weiter heißt es: „ In der interkulturellen Begegnung erleben wir immer wieder, dass wo im Alltag oft Sprachlosigkeit herrscht, wir uns mit der universellen Sprache der Kunst verständigen können. Dabei können sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede und Konflikte thematisiert und kommuniziert werden.“

Fünf Maler, sechs Musiker, zwei Dichter, eine Tänzerin und Gastgaber Malcolm St. Julian Bown als Video-Protagonist sind dabei. Zum Abschluss werden sie alle am Wochenende die Früchte dieser künstlerischen Begegnungen dem Publikum präsentieren. Dazu wird herzlich eingeladen.

Auftakt für den Kunstsommer

Die Veranstaltung ist zudem Auftakt für den von der Kulturförderung Potsdam-Mittelmark unterstützten Kunstsommer „Hoher Fläming“. Dessen Programm hält bis September rund ein Dutzend sehr vielfältige, teils sogar interaktive Offerten parat .

Dieser erste Höhepunkt klingt am Sonnabend,ab 18.30 Uhr, mit der Ausstellungseröffnung der Maler im Kulturtreff „Alten Schule“ aus. Dort werden auch die Künstler selbst zu Wort kommen.

Sandmalerei-Performance

Zum Konzert der Musiker wird schließlich ab 20 Uhr in Mal‘s Scheune eingeladen Dort ist obendrein zu erleben, wie mit Anne Löper eine Sandmalerei-Performance umsetzt, während parallel Beate Simone live mit Farben zur Musik arbeitet.

Dazu wird die Formation „Bazar Andalus“ erwartet. Deren persischer Frontmann Esmail Saedibringt sich dieser Tage ebenfalls schon mit seinen Erfahrungen ein

Der Abend klingt aus mit gemütlichem Beisammensein an der Bar und einem Raum für Austausch mit den Künstlern.

Von René Gaffron

Sandmalerei Anne Löpers Wiesenburg 2018

Anne Löper (links) malt in Sand die Geschichten, die die persischen und kurdischen Lieder der Band „Bazar andalus“ erzählen.
Anne Löper (links) malt in Sand die Geschichten, die die persischen und kurdischen Lieder der Band „Bazar andalus“ erzählen. Quelle: foto: Josefine Kühnel

Wiesenburg

Der Raum ist abgedunkelt, auf der Bühne sitzen verschiedene Musiker mit ihren Instrumenten, eine junge Dame gibt Bauchtanz zum besten, daneben stehen zwei Frauen. Eine hantiert mit Farben. Die andere schiebt mit ihren flinken Fingerspitzen feinsten Sand über eine Glasplatte. Ein Beamer überträgt die entstehenden Gemälde der Künstlerin auf die Leinwand. Begleitet von den persischen und kurdischen Gesangsstücken der Band.

 

Convivencia – Zusammenleben

So vereinten sich in Mals Scheune am Samstagabend Malerei, Musik, Dichtung, Tanz und Videokunst in der Abschlussveranstaltung des zweiten interkulturellen Kunstsymposiums „Convivencia“ in Wiesenburg.

Beate Simon und Dieter Halbach waren die Initiatoren des Projekts. „Convivencia ist spanisch und bedeutet Zusammenleben.“, erklärt Beate Simon. „In Spanien lebten Moslems, Christen und Juden fast 800 Jahre zusammen. In der künstlerischen Begegnung wollen wir uns davon inspirieren lassen.“

Die verschiedensten Künste vereinen sich im Projekt „Convivenzia“
Die verschiedensten Künste vereinen sich im Projekt „Convivenzia“. Quelle: Josefine Kühnel

Künstlerisches Schaffen in Mals Scheune

Für genau eine Woche trafen sich mit diesem Ziel sowohl Künstler aus der Region als auch aus der Ferne in Mals Scheune und der Alten Schule, um sich gegenseitig im kreativen Schaffen in unterschiedlichen Genres voranzubringen.

Sandmalerei von Anne Löper

Unter ihnen war auch die Sandmalerin Anne Löper. Ihre Sandgemälde verbildlichen die Inhalte der orientlaischen Lieder der Band „Bazar andalus“. Darin geht es um das Beisammensein, Völkerverständigung, aber auch Angst, Verfolgung und Flucht.

Die 37-Jährige machte zunächst eine Ausbildung zur Grafikerin. „Das war mir aber immer noch nicht genug, also nahm ich noch ein siebenjähriges Kunststudium auf“, sagt sie.

Die gebürtige Sächsin erlernte in Indien eine spezielle Zweifingertechnik für besonders feine Linien
Die gebürtige Sächsin erlernte in Indien eine spezielle Zweifingertechnik für besonders feine Linien. Quelle: Josefine Kühnel

Inspiration fand sie in Russland

Ursprünglich wollte die gebürtige Sächsin Illustratorin werden, doch das änderte sich, nachdem sie in Russland die Aufführung einer Sandmalerin gesehen hatte: „Das war Liebe auf den ersten Blick. Ich wusste sofort, dass das genau das ist, was ich in Zukunft machen möchte.“

Da es über diese Kunstform keine Lehrbücher gibt, brachte sich die jetzt in Hessen lebende Künstlerin ab 2008 alles autodidaktisch bei. „Bis auf die Zweifingertechnik, die habe ich in Indien gelernt“, sagt sie.

Wie funktioniert Sandmalerei?

Für ihre Gemälde nutzt sie Sand aus der Wüste Gobi in Asien. Den streut sie auf ihren selbst gebauten Sandmalereitisch, der eine von unten beleuchtete Glasplatte mit unterschiedlichen Schichtungen für spezielle Schattierungen trägt.

Über dem Tisch ist eine Kamera installiert, die die Performance filmt und auf eine Leinwand überträgt. Durch freistellen, wischen, streuen und schieben entwickelt sie immer wieder neue Bilder. „Mein Anspruch ist es, von einem Bild ins nächste zu gehen und dabei eine Geschichte zu erzählen.“

Der Inhaber der Scheune, Malcolm St Julian Bown, nimmt die Vorführung auf und stellt sie unter seinem Youtube Kanal Mal´s Scheune online
Der Inhaber der Scheune, Malcolm St Julian Bown, nimmt die Vorführung auf und stellt sie unter seinem Youtube Kanal Mal´s Scheune online Quelle: Josefine Kühnel

Farbe ergänzt die seltene Kunst

Die Initiatorin Beate Simon entdeckte Anne Löper bei einer Aufführung in Mals Scheune vor zwei Monaten. Sie ließ in die Sandmalereien Farben einfließen. Diese Kunst unterscheidet die Performance von anderen Sandmalereien.

Die etwa eineinhalbstündige multimediale Aufführung nahm der Besitzer der Scheune, Malcolm St. Julian-Bown, auf Video auf, das demnächst auf seinem Youtube-Kanal „Mal´s Scheune“ zu sehen sein wird.

Von Josefine Kühnel

Symposium 2017

 

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